Die HipHop-Kultur in Essen: Eine Einführung

Während der letzten Jahrzehnte ist Rap-Musik zu einem der angesagtesten Musik-Genres in Deutschland geworden. Seit den 1980ern ist Essen bereits die Heimat von bekannten Rappern, wie etwa die 257ers, Favorite, Sinan G, Manuellsen, 3Plusss und PA Sports. Diese MCs sind sogar über die Grenzen von Essen hinaus bekannt und genießen großes Ansehen unter Kennern. Aber dies ist nur die Spitze des HipHop-Eisbergs Essen. In der Szene wird sogar gemunkelt, dass Essen die HipHop-Hochburg des Ruhrgebietes sei.

Im Rahmen des Projekt-Seminars Mapping Hip-Hop Culture: The Ruhr Area befasste sich unsere Gruppe, bestehend aus Fabienne Strohmer, Mariana Bittermann und Julian van Essen, mit der HipHop-Szene in Essen. Da all unsere Gruppenmitglieder Studenten der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften sind, war das Seminar thematisch von besonderem Interesse und Nutzen für uns alle.

Während unserer Forschungsarbeit haben wir viel Zeit damit verbracht nicht nur Rap-Musik, sondern auch Graffiti, als eine weitere Unterkategorie von HipHop, in Essen zu erforschen. Dabei haben wir zahlreiche Interviews mit Sprayern, MCs und institutionellen Einrichtungen geführt, bei denen wir uns schwerpunktmäßig mit der Rolle von HipHop für die Leute und dem lokalen Wert des Genres in der Großstadt beschäftigt haben.

 

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Rapmusik in Essen boomt: Ein Interview mit 3Plusss und BudMH

Straßenrap als “Profilierungsmusik”

3pluss

Der Rapper 3Plusss. Foto: privat.

“Es ist sehr viel Straßenrap – das ist ja hier so das gängige Ding.” Für den Essener Rapper 3Plusss ist diese Musikrichtung mit die häufigste, die er aus vorbeifahrenden Autos in seiner Heimatstadt hört. Musiker wie Farid Bang, Kollegah oder Massiv sind hier gefragt. Besonders im Essener Norden, Altenessen, dem Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist, werde diese Musik häufig gehört: „Viele Leute hören so eine Musik zum Ego-Pushen.” 3Plusss beschreibt die Rolle von Rapmusik in Essen als „Profilierungsmusik:“ Die Konsumenten fühlen sich “cool” dadurch und können sie träumen, selbst mal Musik zu produzieren.

Hörbar ist diese Art von Rapmusik beispielsweise in dem 2015 erschienen Song “Alemania Westside” (2015) der Essener Rapper PA Sports und Manuellsen. In diesem wird der Alltag in verschiedenen Essener Brennpunkten beschrieben und somit ein grundlegendes Lebensgefühl in der Stadt ausgedrückt. Dabei wird das lokale Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bedeutung der Region immer wieder betont:

Egal wohin wir Reisen

Wir bleiben Zuhause auf der besten Seite

Und zwar auf der Westside, Baby

Reisen in die Ferne, doch tragen unsre Hood in unsren Herzen

Bleiben auf der Westside, Baby

Wir haben alles schon geseh’n, aber nichts davon ist so wie NRW

Auf der Westside, Baby

Die und die und die und die, ein Revier

(“Alemania Westside”)

Für 3Plusss selbst allerdings ging es beim Musikmachen eigentlich immer nur um den Spaß: „Grundsätzlich ist das einfach eine kreative Ausdrucksform der eigenen Persönlichkeit. HipHop ist ein Ventil, so wie Malen.“ Die Jahre 2008 und 2009, in denen er angefangen hat Rapmusik zu produzieren, beschreibt er als toten Punkt für den deutschen HipHop. Für ihn waren die ersten richtigen Pioniere Künstler wie Marteria oder Casper mit den Alben Zurück in die Zukunft (2010) oder XOXO (2011).

3Plusss’ Vorbilder aus Essen sind der Rapper und DJ BudMH und der Musiker Chaosallianz. Allerdings betont er auch, dass Essen eher eine der Pionierstädte für Graffiti war. Bestimmte Künstler konne er leider nicht nennen, weil viele Graffitis illegal gesprüht werden und es daher schwierig ist die Künstler namentlich zu nennen.

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Der Rapper BudMH. Foto: privat.

Hinsichtlich der Rapgenres sind sich die beiden Künstler 3Plusss und BudMH aber einig, denn auch für BudMH ist Streetrap die Richtung, die am häufigsten in Essen gehört wird. Bei dieser Art von Rapmusik benutzen die Emcees häufig Schimpfwörter. Außerdem werden im Streetrap Statussymbole, wie zum Beispiel schnelle und teure Autos, große Häuser und schöne Frauen, sehr häufig thematisiert.

BudMH erklärt die Popularität des Straßenrap-Genres im Ruhrgebiet:

Das ist nicht nur hier in Essen, sondern überall ziemlich auf einem aufsteigenden Ast beziehungsweise erlebt gerade einen ziemlich großen Hype. Da ist es in Essen auf jeden Fall auch so, dass es hier meiner Meinung nach ziemlich viele Straßenrapper gibt.

Außerdem spielt beim Straßenrap auch die soziale Stellung eine große Rolle. Straßenrap wird oft mit dem Essener Norden in Verbindung gebracht, weil dieses Viertel eher als eins der Ärmeren gilt. Hier ist dieses Musikgenre am weitesten verbreitet, weil die Jugendlichen einen geringen Bildungsstand haben und in ihrem privaten Leben genau so sprechen, wie es die Rapper es in ihren Texten tun. Außerdem macht ihnen diese Musik Mut, dass sie auch irgendwann berühmt sein könnten, auch wenn sie jetzt noch unbekannt und etwas ärmer sind, als die durchschnittliche Gesellschaft.

Die Essener HipHop Musik als “Mainstream”

Wofür Essen sonst so steht? Ich sag mal, für ehrlichen Ruhrpott-Rap. Da gibt es auf jeden Fall die ganzen Untergrundleute, die ich jetzt so kenne, die versuchen das ganze HipHop-Ding zu verkörpern und die leben das auch so.

Einer der Hotspots für die HipHop-Kultur in Essen, wo sich viele Untergrundrapper getroffen haben, war früher zum Beispiel die Veranstaltung Essen Original. Für BudMH war die HipHop-Bühne auf dem Fest eine feste Anlaufstelle und der Anfangspunkt seiner künstlerischen Karriere:

Das war das einzige Ding, wo sich so die HipHopper in Essen getroffen haben. Da hat man zwar immer noch nicht miteinander geredet, aber da waren alle auf einem Haufen.

Essen original

Essen Original (2015). Foto: privat.

Aufgrund einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den Besuchern der HipHop-Bühne mussten sich die Künstler in den kommenden Jahren mit den Metal-Musikern eine Bühne teilen. Andere lokale Hotspots gab es seither in Essen nicht wirklich. Trotzdem ist es für BudMH immer noch “seit Jahren, unangefochten die Jugendkultur Nummer eins.” Das bezieht er nicht nur auf die Stadt Essen oder das Ruhrgebiet, sondern auf die Welt. HipHop bietet immer wieder Gesprächsstoff und in der heutigen Zeit erregen Rapper auch immer wieder Aufmerksamkeit durch sogenannte „Disstracks.“ 3Plusss beschreibt dieses Verhalten als „Beefkultur,“ womit er das gegenseitige musikalische Diffamieren zweier Rapper anspricht, das heutzutage gerade bei jungen Menschen Anklang findet.

Fazit

Unsere Interviews zeigen, dass Rapmusik in Essen ist hauptsächlich Straßenrap ist. Bekannte Künstler wie Sinan G, Favorite oder auch KC Rebell dominieren die Essener Musikszene mit ihren hartem Reimen und Beats. Dabei ist der Essener Norden als Zentrum der HipHop-Szene auszumachen. Dies steht im Zusammenhang mit der sozialen Benachteiligung des dortigen Stadtteils und deren jüngere Anwohner identifizieren sich deshalb eher mit dem Genre des Streetrap. HipHop in Essen fungiert somit offenbar vor allem als Identifikationsmittel für einen selbst, das darüber hinaus den Zusammenhalt eines Stadtteils oder gar einer ganzen Region, in diesem Fall des Ruhrgebietes, auszudrücken vermag.

ich habe hip hop nicht verstanden

“Ich habe HipHop nicht verstanden.” Hat 3Plusss HipHop wirklich nicht verstanden? Foto: privat.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass Rapmusik in Essen nicht oder eher nicht mehr mit den anderen Bereichen der HipHop-Szene zusammenhängt, wie zum Beispiel Graffiti oder Breakdance. Eine Tendenz, dass Musiker gleichzeitig vermehrt sprayen oder auflegen gibt es nicht. In seinem 2014 erschienen Song „Ich habe HipHop nicht verstanden“ bringt 3Plusss auf ironische Art und Weise zum Ausdruck, dass man, im Gegensatz zur Meinung zahlreicher Rapper, um Hip Hopper zu sein sich nicht zwangsläufig mit der gesamten Szene identifizieren muss:

Ich habe nie gebreakt oder gedeejayt

Und bis auf Wella oder Axe auch nicht gesprayt

Ziemlich fake, ich besaß nie ein Tape

Und hatte besseres zu tun als zu ’nem Freestyle gehn’ Bitch

Ich bin in den 90ern gebor’n

Und war, als Torch gerappt hat, noch feucht hinter den Ohr’n

Ich will die Zeit von damals wirklich nicht bewerten

Doch hieß es nicht, dass das geil sein soll, dann würd ich es nicht merken.

(“Ich habe HipHop nicht verstanden”)

Man merkt hier, dass es 3Plusss bei seiner Musik offenbar nur um den Spaß ging. Er hatte es anfangs nicht darauf abgesehen, dass er berühmt damit wird, da er „besseres zutun hatte“ als bekannt zu werden und sich selbst zu verkaufen. Insgesamt ist für 3Plusss HipHop schon längst keine Randmusikrichtung mehr, auch in Essen nicht:

Hip Hop ist sehr wichtig in Essen, denke ich. Aber ich glaube, HipHop ist allgemein wichtig, das ist gar nicht so auf Essen bezogen. HipHop ist cool. HipHop ist angesagt. HipHop ist längst Mainstream. HipHop muss sich nicht mehr dem Mainstream beugen, sondern der Mainstream vielmehr dem Hip Hop.

Graffiti-Geschichte in Essen: Kreative statt kriminelle Energie

Für unsere Nachforschungen zur Entwicklung der Graffiti-Szene in Essen haben wir mit lokalen Künstlern und Organisatoren gesprochen. Dabei haben wir herausgefunden, dass die Geschichte von Graffiti in Essen die Geschichte von Künstlern ist, die für die Akzeptanz und Institutionalisierung von Graffiti arbeiten.

Der Anfang

the Top nodge

David Hufschmidt (links) mit einem befreundeten Sprayer. Foto: privat.

Für den Grafikdesigner David Hufschmidt, der als Graffitikünstler auch als The Top Notch bekannt ist, ist klar, wo die Essener Graffiti-Szene gestartet hat. „Essen-Steele. Hier kommen die ersten Essener Sprayer her.“ Eine andere Meinung hat der Mülheimer Rapper, DJ und gelegentlicher Sprayer Bud MH. Für ihn liegt der Ursprung nicht nur in Steele, sondern generell entlang der S-Bahn-Strecke. Zum Zeitpunkt unseres Seminars konnten wir allerdings keine der beiden Aussagen näher verifizieren. Dies zeigt aber, dass die Anfänge von Graffiti in Essen umstritten sind.

erstes graffiti

Piece am Jugendzentrum: Das erste Essener Graffiti? Foto: privat.

Allerdings konnte uns The Top Notch noch mehr zu den ersten Graffiti-Pieces in Essen-Steele erzählen, die seinen eigenen Werdegang beeinflussten:

Einige der Grafitti aus den 1990ern gibt es teilweise sogar noch, zum Beispiel am Jugendzentrum am Hünninghausener Weg. Da steht sogar noch eine 1992 beim Graffiti an der Wand. Da war ich 13. Damals habe ich auch schon ein Auge dafür gehabt. Ich fand das völlig faszinierend und habe mich gefragt, was für Leute das sind, die eine ganze Wand so anmalen.

Von der Illegalität in die Legalität

The Top Notch fing dank seines Kunstlehrers auch mit Sprayen an. Schnell lernte er darüber Leute auch in anderen Städten des Ruhrgebiets und darüber hinaus kennen. Vor allem aber innerhalb von Essen und konkreter noch in Steele bildete sich für ihn ein Netzwerk aus Sprayern und Freunden. 2010 ergriffen sie dann die Initiative und wendeten sich an das Jugendamt der Stadt, um legale Freiflächen zum Sprayen zu schaffen:

Wir haben der Stadt Essen gesagt, dass wir Freiflächen brauchen, wo wir Bilder malen können, die auch mal länger stehen als eine Woche. Das Jugendamt hielt das für eine gute Idee und hat uns gefragt, welche Flächen wir wollen. Daraufhin sind wir durch ganz Essen gezogen mit ein paar Leuten und haben von attraktiven Flächen Fotos gemacht. Der Besitzer war in der Regel „Straßen NRW.“ Denen gehört fast jede Brücke, die irgendwie an einer Straße liegt. Bis die Genehmigungen von ihnen kamen, hat das dann noch einmal ein halbes Jahr etwa gedauert, aber dann stand das Freiflächenprojekt. Das Projekt wird mit Patenschaften betreut, unter anderem durch die Sprayer selber. Die Verwaltung selber liegt beim Jugendamt Essen, aber die Betreuung liegt bei uns.

Dank der Initiative von The Top Notch und den anderen Künstlern, die an der Realisierung des Freiflächenprojektes gearbeitet haben, gibt es nun mehr legale Angebote für Graffiti in Essen.

Gerd Dubiel

Gerd Dubiel vom Jugendamt Essen. Foto: privat.

Gerd Dubiel arbeitet beim Jugendamt Essen und ist dort für das Projekt verantwortlich. Laut seiner Einschätzung habe es vorher immer nur vereinzelt Graffiti-Projekte mit dem Jugendamt gegeben. Vorbild für das Freiflächen-Projekt sei Bochum gewesen, die als erste Ruhrgebietsstadt Freiflächen im größeren Stil freigegeben hat. Dann folgte Essen:

Theoretisch, konzeptionell steckt eben dahinter, dass wir vom Jugendamt der Meinung sind, dass so eine Großstadt wie Essen die Möglichkeit für junge Sprayer bieten muss, legal sprühen zu können. Und dahinter steckt dann halt auch so eine theoretische Annahme, dass da eher eine kreative statt eine kriminelle Energie hinter steht.

Dementsprechend hilft das Essener Jugendamt die kreative Energie von Jugendlichen zu kanalisieren, Jugendliche, die an Graffiti interessiert sind und sonst vielleicht Vandalismus betgangen hätten. Trotzdem haben illegale Graffitis laut The Top Notch seit 2010 trotzdem nicht nachgelassen.

Es gibt Leute wie uns, die Bock haben, den ganzen Tag an einer Wand zu stehen und sich vorher viel Gedanken dazu machen, was sie überhaupt sprayen. Es gibt aber auch genau die Leute, die genau das nicht wollen. Hauptsache Nervenkitzel.

Die Freifläche in Essen-Werden jedoch ist ein Beispiel dafür, dass nicht alle illegalen Graffitis nur Tags sind. Direkt gegenüber von der Freifläche ist ein aufwändiges, illegales Graffiti, auf dem verschiedene Tier- und Menschköpfe abgebildet sind.

Der Hafen dampft und sprüht: Internationale Graffiti-Kunst beim Hafendampf-Festival

Seit 2013 gehört zu der Essener Graffiti-Szene nun auch das jährlich stattfindende „Hafendampf-Festival.” Künstler innerhalb und außerhalb des Ruhrgebiets werden eingeladen, um ein Wochenende lang größere Wandbilder an verschiedenen Orten Essens zu erschaffen. Die Besucheranzahl stieg stetig in den letzten Jahren stetig an und Künstler aus der ganzen Welt nehmen inzwischen am Festival teil. Mit diesem Festival wird die Essener Graffiti-Szene nicht nur weiter dekriminalisiert, sondern auch zelebriert.

Graffiti heute
Wichtig für die Graffiti-Szene in Essen sind die Freiflächen, welche vom Jugendamt verwaltet und von Graffiti Künstlern betreut werden. Auffallend dabei ist, dass die Flächen zwar über die ganze Stadt verteilt sind, aber sich vor allem im Norden konzentrieren. Der Norden Essens ist tendenziell dichter besiedelt und ärmer, während der Süden reicher und weniger dicht besiedelt ist. Die Verteilung kann also daran liegen, dass sich an eher reicheren Wohnsiedlungen weniger Wände anbieten oder dass sich die Graffiti-Künstler eher im Norden der Stadt aufhalten.

Neben Autobahnbrücken sind die Freiflächen häufig an Jugend- oder Kulturzentren zu finden. Das scheint einen Trend in Essen widerzuspiegeln, Graffiti an Jugendzentren anzubinden. Das Weigle-Haus, welches von The Top Notch sowie dem Rapper BudMH erwähnt worden sind, ist ein Jugendzentrum. Das Jugendzentrum HüWeg, an dessen Wand sich das Graffiti von 1992 befindet, bietet bis heute wöchentlich Graffiti-Workshops an. Dementsprechend scheint Graffiti in Essen ein institutionalisiertes Freizeitangebot für Jugendliche zu sein.

Freifläche3 Details (3)

Graffiti-Kunst auf einer Freifläche in Essen-Kupferdreh. Foto: privat.

Fazit
Graffiti in Essen scheint in zwei Bereiche aufgeteilt zu sein: Künstlerische, aufwendigere Graffitis, und die Graffitis, die vor allem für den Nervenkitzel schnell irgendwo hingesprüht werden. Für die künstlerischen Graffitis gibt es inzwischen viele legale Freiflächen. Die Initiative, diese legalen Wege zu schaffen, ging vor allem von den Künstlern selber aus. Deren Erfolg bestand allerdings auch in der Kooperation mit den offiziellen Stellen der Stadt.

Die Praxis des Taggens hingegen scheint in Essen stark mit der eigenen Identifizierung und Territorialisierung verbunden zu sein. Tagger scheinen zeigen zu wollen, wo sie herkommen. Lokale, patriotische Tags sind in bestimmten Stadtteilen zu finden und propagieren Essen als Graffiti-Metropole Deutschlands.

Interessanterweise scheint es so, dass die anderen Dimensionen der HipHop-Kultur, wie z.B. DJing oder B-Boying, fast keinen Einfluss auf die Entwicklung von Graffiti in Essen gehabt haben. Weitere Bilder von Freiflächen und Graffitis in Essen findet ihr hier.

Rap Music in Essen is Booming: An Interview with 3Plusss and BudMH

Street Rap as Music to Distinguish Oneself

3pluss

The famous rapper 3Plusss from Essen. Photo: private.

Street rap – this ist the music which is heard most commonly,” the rapper 3Plusss claims in an interview about the music genre which he hears most frequently in car stereo systems in his hometown. Emcees like Farid Bang, Kollegah or Massiv are the most popular ones. Their genre of music is referred to gangster rap and they mostly rap about beautiful women, expensive cars, and about their version of the “American Dream” in Germany, that is to start from the bottom and work their way up. Especially in the north of Essen, in the neighborhood of Altenessen, in which 3Plusss grew up, this kind of music is the most popular one. “Many people here listen to this kind of music to push their ego,” he speculates. He describes the role of rap music in Essen as a way of to distinguish themselves from others. The music divides the people according to their educational backgrounds, but this is not applicable for everyone. But there is a tendency that people with a lower education rather listen to this kind of rap music, compared to people with higher education. The music is a way to get respect – not only as a person but also as a region. This kind of rap music represents the people in the Ruhr Area, a region which is known for its (lower) middle-class population and immigration history. Gangster rap is supposed to show people, that they can achieve their goals in life and that they can make good money and get rich, even if they are born in the Ruhr Area.

This idea is very well audible in the song “Alemania Westside” (2015) by the famous rappers Manuellsen and PA Sports. They rap about the everyday life in socially disadvantaged areas of Essen which is marked by a specific lifestyle: little money, many people from immigrant families, and suboptimal education opportunities. You can compare those neighborhoods to the Bronx. In doing so, the artists emphasize the local spirit and the important role of the Ruhr Area:

No matter where we go

we stay at home on the best side

which is westside, baby.

We travel far away still keeping our hood in our hearts

Staying on the west side, baby.

We have already seen everything but nothing is as great as NRW

At westside, baby.

This and that and that, one district.

“Alemania Westside” shows the local spirit in this area. Even if the Ruhr Area, the westside, is known as a poorer area, here are a lot of people who are extraordinary willing to work for their goals, which makes people proud. The people who are born and raised in the Ruhr Area have a strong connection to each other because the local pride is huge.

For 3Plusss, making music was just for fun: “Basically it is just a creative process to express your own personality. Hip Hop as an outlet, comparable to drawing.” The years in which he started to produce Hip Hop, 2008-2009, he describes as a dead spot for German rap music. For him, the first pioneers in rap music at this time were German artists like Marteria or Casper with their albums, Zum Glück in die Zukunft (Fortunately to Future, 2010) or XOXO (2011).

BudmH

The rap artist BudMH. Photo: private.

MC and DJ BudMh describes the emcee Chaosallianz as a local Hip Hop pioneer in Essen. However, he believes that Essen was mostly a pioneer city for graffiti. In terms of music genres in Essen, both BudMH and 3Plusss agree that gangster rap is the most common rap genre in Essen. They would suggest that this is simply connected to the poverty and the education policy in NRW.

For BudMH street rap is the most popular rap genre in the Ruhr Area:

It is not only like that in Essen, but anywhere in the Ruhr Area. Street rap just experiences a real hype in Germany and Essen is not excluded from this. In my opinion, there are a lot of street rappers here in Essen.

Street rap is mostly seen as a brutal rap genre and appears to be aggressive. As the rappers use a lot of verbal insults and symbolically fight against other artists, this genre has rather negative connotations. Furthermore, the geographical background plays a big role in street rap. Street rap is often connected to the north of Essen because it is known as the “inner city” of Essen where immigrants and poorer residents live. Street rap is for them a way to reflect on and escape their social problems. This is why this kind of music appears to be most common in the north of Essen.

Hip Hop in Essen as Mainstream Culture

What else does Essen represent? I would say it stands for Ruhrpott rap, which is honest. There are all the people in the underground, that I know of, who try to embody Hip Hop and who live like this.

(BudMH)

Essen original

Essen Originale 2015. Photo: private.

One of the Hip Hop hotspots in Essen, where all the underground rappers meet, is the Hip Hop stage at the music festival in Essen Essen Original, our interviewee MC BudMH explains. The festival is located in the city and artists from every musical genre perform their music on big stages. BudMH remembers how the Hip Hop stage was the starting point for his career as an emcee for him. Likewise, 3Plusss explains that this stage was an important location for him, too.

It was the only venue where rappers in Essen met. I mean, we still didn’t talk to each other, but we were all at the same time in the same place.

Because of a violent confrontation between visitors of this stage, the Hip Hop emcees had to share the stage with metal bands in the following year. Besides the festival, there were no other local Hip Hop hotspots after that. Still, BudMH considers Hip Hop the “unchallenged youth culture number one” as it offers many topics for conversations. Nowadays rappers even receive much attention through so-called “diss tracks.” 3Plusss describes this tendency as a “beef culture.” It describes a lyrical battle between two or more rappers. This kind of verbal fight is often shown in music videos via YouTube

Conclusion

Throughout this seminar, we interviewed different emcees and also officials, who work for the city Essen and deal with graffiti and the Hip Hop scene in their work life. Conducting our research, we noticed that one can not picture the whole landscape of rap in Essen. Therefore we specialized on the main rap genre: street rap or gangster rap.

The rap music in Essen seems to be dominated by street rap. Famous emcees like Sinan G, Favorite or KC Rebell dominate the local rap scene. The North of Essen serves as the center of Hip Hop culture in Essen. This is most likely related to the social background of this area as the poorer population might relate to this kind of music more easily, because they are experiencing the same living conditions as the rappers.

I am ghetto and I saw this shit.

Essens Number 1, Essen, Essens Number 1

(Sinan G “Essens Nr.1”)

In his lyrics you can see how emcee Sinan G describes Essen as a ghetto and that he went through all the bad things like poverty and crime. But now he made it and became famous by making music. Sinan G’s lyrics underline how Hip Hop in Essen functions mostly as a medium of identification which embodies the solidarity of a district, a milieu or even a whole area, The Ruhr Area in this case.

Our interview group also learned that rap music in Essen does not necessarily interact with  other disciplines of Hip Hop culture, like graffiti or beatboxing, anymore. There is no tendency of rappers’, who are at the same time DJ’s, sprayers or breakdancer, so the different elements of Hip Hop culture are not overlapping anymore.

I never breakdanced or DJ’ed

and other than Welle and Axe I never sprayed

quite fake, I never owned a tape

and I had better things to do than visiting a freestyle, bitch

I am born in the 90’s

and when Torch rapped I was a little child

I really do not want to rate this period of time

but if people would not say that is dope I would not think so

(3Plusss “Ich habe HipHop nicht verstanden”)

ich habe hip hop nicht verstanden

Did he really not understand Hip Hop? Photo: private.

In this paragraph of 3Plusss’ song “Ich habe Hip Hop nicht verstanden” (I have not understood Hip Hop), he explains that rapping does not necessarily intervene with the other disciplines of the Hip Hop scene. For him making rap music  was just a fun thing to do. He was never that into gaining popularity as. He says “[h]e had better things to do.” All in all, 3Plusss thinks that Hip Hop is no longer a small genre in Essen: 

Hip Hop is really important for Essen, I believe. But I think Hip Hop is generally important, not only in Essen. Hip Hop is cool, Hip Hop is hot. Hip Hop is mainstream. Hip Hop does not need to bow before the mainstream but the other way round.

This statement sums up, how strong and important Hip Hop is not only in Essen but in the whole world. Hip Hop has always been a way to express yourself and your feelings.

 

Das Herner HipHop-Kollektiv Agora: Ist noch jemand da draussen?

Wie ein roter Faden zieht sich der Gedanke der fehlenden Vernetzung durch die Köpfe der Herner HipHop-Akteure: „Man denkt immer, man sei der einzige in Herne, der Rap macht,“ bringt es MC Verbal von dem HipHop-Kollektiv Agora auf den Punkt. Ähnlich wie der Rapper M.I.K.I und Zekai Fenerci, der Künstlerische Leiter von Pottporus, problematisieren die drei MCs die Zersplitterung der HipHop-Szene in Herne und im Ruhrgebiet. Es gibt viele lokale Szenen, die aber kaum in Kontakt kommen oder verstärkt in den größeren Städten wie Bochum, Dortmund oder Essen agieren.

Agora versteht sich als HipHop-Kollektiv von Musikern und Poeten. Entstanden aus der Kollaboration von dem Herner Rapper und Bassisten Hermes Kanakis und der HipHop-Crew Freshe Connection (MC Verbal & Si2Dman) entwickelte sie im Jahr 2015 die Vision, die Agora als offene Plattform zu etablieren.

Die geringe Sichtbarkeit einer Herner HipHop-Kultur ist laut Agora hauptsächlich der mangelnden Initiative geschuldet, Kollaborationen anzuregen und Austausch zu wagen. Außerdem heben sie die Unterscheidung zwischen HipHop und Rap hervor, die die Herner Szene präge. Viele Rapper der Stadt blieben unter sich und verfolgen nicht den Community-Gedanken, der für Agora essenziell sei:

Im HipHop scheint der Gemeinschaftsgedanke unterzugehen, der uns ganz wichtig ist. Im Mainstream HipHop steht das “Bling-Bling” im Vordergrund. Das kommt von Amerika nach Deutschland und ist zu einem Narrativ geworden, das auch die Jugendliche verfolgen wollen. Aber das ist für uns nicht, was HipHop ausmacht.

Der vereinende Faktor verschiedener HipHop-Künstler ist also weniger der lokale Aspekt, als der Gemeinschaftsgedanke, der über die Stadtgrenzen hinaus vereint.

Kein Raum trotz Leerstand = keine Szene trotz HipHop

Wanne

Wanne-Eickel (2016). Foto: Johanna Buderath.

Eine florierende HipHop-Szene braucht Räume – einerseits um entstehen zu können und andererseits um wahrgenommen zu werden. Insbesondere in Wanne-Eickel – ein strukturell schwacher Stadtteil Hernes – ist das verheerende Ausmaß von Ladenleerstand sichtbar und dennoch sind kulturelle Räume knapp. Hermes K. von Agora moniert, dass die Stadtpolitik lediglich wirtschaftliche Interessen verfolge und somit durch Bauprojekte wie der Umnutzung des alten Karstadt-Gebäudes in die Neuen Höfe Herne, zahlungskräftige Eliten anwerbe, statt studentische Bedürfnisse nach günstigem Wohnraum zu beachten. Als Konsequenz findet kaum Zuzug eines jungen Publikums statt, wodurch wiederum eine kreative Weiterentwicklung der Stadt stagniert:

Herne müsste sich attraktiver machen für Studenten und mit der guten Anbindung zum Campus der Ruhr-Universität Bochum werben. Stattdessen sind hier so wenige Studenten, dass nicht mal jemand auf die Idee kommt, eine Kneipe aufzumachen – wo man HipHop-Kultur an den Mann bringen könnte.

Flottmannhallen nah

Die Flottmann-Hallen beherbergen seit 1999 das Ruhrpottbattle (2016). Foto: Johanna Buderath.

Die wenigen Bühnen, Bars und Veranstaltungsräume, die Herne bietet, sind laut den Agora-Kollektivisten zudem vorrangig auf ein älteres Publikum ausgerichtet oder werden hauptsächlich von Rockmusikern dominiert. Die starke Präsenz und Vernetzung der Rock-Szene erklären sie sich mit der Anmietung von Proberäumen, die bei Bands stärker ausgeprägt ist und Kontakte fördert.

Das Agora-Kollektiv will den gedanklichen roten Faden, der Mangelerscheinungen einer schrumpfenden Stadt wie kulturellen Raum und Initiative verbindet, zu einer verknüpfenden Idee umlenken, die durch Kollaboration, Unity und Stadtgestaltung geprägt ist.

Sie verfolgen mit der Plattform Agora ein aufklärerisches Kulturprojekt, dass auch erzieherische Ziele im Blick hat. Hermes K., MC Verbal und Si2Dman wollen durch HipHop befähigen und mündig machen – was das deutsche Bildungssystem in ihren Augen nicht leiste. HipHop ist für sie gleichermaßen Mittel als auch Selbstzweck.

Hier erfahrt Ihr mehr über Agora, ihre Ziele, ihre Mitglieder und ihre Aufgabe.

 

Graffiti History Essen: Creative, not Criminal Energy

During our research about the development of graffiti culture in Essen, we talked to local artists and organizers. We found out that this story is the story of artists who worked on the institutionalization and acceptance of graffiti in Essen.

The Beginnings

the Top nodge

David Hufschmidt (left side) with a friendly sprayer

For graphic designer David Hufschmidt, who is also known as graffiti artist The Top Notch it is clear, where the graffiti movement started: „Essen-Steele. That’s where the first graffiti artists in Essen come from.“ The Top Notch grew up in that part of Essen which is located in the city center. However, the Mühlheimer rapper, DJ and part-time graffiti artist Bud MH has a different opinion on that. For him, the origins of graffiti were not only in Essen-Steele but at all the different places and walls along the local train tracks. At this point of time in the seminar, our research has not come far enough to verify any of these claims but this shows that the origins of graffiti in Essen are contested.

erstes graffiti

Essen’s first graffiti? Photo: private.

However, The Top Notch could tell us more about the first graffiti pieces in Steele and how they have influenced him and his art:

Some of the first graffiti pieces from the 1990s still exist, for example at the youth center at the Hünninghofener Weg. You can still read the year 1992 at the piece on the wall there. At that point of time, I was 13. I was already interested in graffiti then and paid special attention to graffiti culture. I was totally fascinated and asked myself what kind of people paint a whole wall.

From Illegal to Legal Art

The Top Notch started spraying thanks to his art teacher. Quickly, he met new people in other cities in the Ruhr Area and in all over Germany, but his closest network of fellow artists and friends is located in Essen and especially in the Steele neighborhood. In 2010, they took initiative and talked to the Youth Welfare Office to create legal open spaces for graffiti.

We told the City of Essen that we need open spaces where we can paint pictures, which stay longer on the wall than just one week. The Youth Welfare Office thought it was a good idea and asked which walls we wanted. So we walked through Essen with a few people and took photos of attractive walls. Their owner was usually Straßen NRW [a state-owned company that is in charge of the construction and maintenance of streets]. They own almost every bridge that’s situated at a street. Half a year passed until we got our permissions, but then we had our open space project. The project works through mentorships. Many of the artists are mentors. The Youth Welfare Office administers the project but we have the responsibility.

Thanks to the initiative of The Top Notch and the other artists working on the realization of this project, there are now more legal possibilities for graffiti.

Gerd Dubiel

Gerd Dubiel from the Youth Welfare Office of Essen. Photo: private.

Gerd Dubiel of the Youth Welfare Office is responsiblee for the open spaces project on the official side. He points out that before that project only a few graffiti-related projects existed at the Youth Welfare Office. A model for the open spaces project was the neighborhing city of Bochum, which was the first city in the Ruhr Area to permit many open spaces. Then came Essen:

The theory behind that is that we here at the Youth Welfare Office believe that young graffiti artists should have the opportunity to spray legally. Behind that, there is the assumption that there is a creative energy and not a criminal energy behind that. (Dubiel)

Thus, the Youth Welfare Office helps to channel the creative energy of young people that are interested in graffiti and otherwise might have resorted to vandalism in order to create graffiti. However, the amount of illegal graffiti has not declined since 2010. The Top Notch explains:

There are people like us who want to spend a whole day standing at a wall and thinking beforehand about what they want to do but there are also people who do not want that. They are doing it for the thrill.

However, not all artists use the legal possibilities for their elaborate graffiti pieces as can be seen in Essen-Werden. Opposite to an open space, there is a large elaborate graffiti depicting different animal and human heads:

Freifläche3 Details (3)

Graffiti-art on the “Hall of fame” in Essen-Kupferdreh. Photo: private.

The Harbour is Steaming: International Graffiti at the Hafendampf-Festival

Since 2013, the annual „Hafendampf-Festival“ (Harboursteam-Festival) is also a part of the graffiti scene of Essen. The Top Notch organizes the event:

We invite graffiti artists from all over Germany and from outside for one weekend to create larger wall paintings at different locations in Essen .

The number of visitors has been growing every year and artists from all over the world attend the festival. With this festival, graffiti is not only further decriminalized but also celebrated in the city.

Graffiti in Essen Today

The open spaces which are administered by the Youth Welfare Office and mentored by graffiti artists are very important for the graffiti scene of Essen. It is striking, that even though the open spaces are spread all over the city, they are concentrated in the city’s northern neighborhoods which are known to be populated by less wealthy residents. Moreover, fewer people living there compared to the southern areas. The unequal distribution could be caused by a lack of appropriate walls to spray at in richer residential districts or the graffiti artists just tend to stay in the north for an unknown reason. We suggest that this should be investigated in greater detail.


Next to highway bridges, the open areas often tend to be located at youth centers. In our interviews with The Top Notch and emcee BudMH both mentioned the Weigle Haus as a famous venue for emerging graffiti artists. Furthermore, the youth center HüWeg offers graffiti workshops for teenagers every week. Thus, graffiti in Essen seems to be an institutionalized free time activity for young people.

Conclusion

Graffiti in Essen seems to have two sides. On the one hand we found rather legal artistic, elaborate graffitis. On the other hand, we encountered another kind of illegal graffiti which is just done for the thrill. By now, there are many legal open spaces for artistic graffiti. The artists themselves took the initiative to create those legal possibilities for spraying. The legal open spaces are used frequently by most of the sprayers to either create art or to make the best of a bad job as illegal spraying is obviously a crime.

In terms of tagging, Essen’s cityscape apparently functions as a means of identification. Artists seemingly want to show where they come from and what they are made off. Local patriotic tags mark specific districts and claim Essen as the graffiti metropolis of Germany.

The other categories of Hip Hop culture, such as emceeing, DJing or breaking seem not to have influenced the development of graffiti Essen significantly.For further images of open spaces and tags click here.

 

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