Come Together: Räume & Orte in Bochum

[English version here]

Als in den früher 1980er Jahren auch im Ruhrgebiet erstmals eine junge HipHop-Kultur in Erscheinung tritt, entsteht gleichzeitig ein Bedarf an Orten und Räumen, an denen die neue Gemeinschaft sich treffen, austauschen und gemeinsam aktiv werden kann. Die meisten lokalen Akteure erklärten in Interviews mit der Bochumer Projektgruppe, dass HipHop-Kultur ihren Anfang fast immer in überschaubaren geschlossenen Kreisen wie den eigenen Wohnungen, Proberäumen oder privaten Studios ihrer Anhänger findet: Hier entwickeln Rapper entweder gemeinsam oder allein ihre Reime und schreiben Texte, hier produzieren Musiker und Graffiti-Writer ihre jeweiligen Skizzen, aus denen später Songs oder Bilder entstehen können. Doch wie in jeder anderen Kultur auch existieren auch im HipHop gewisse Räume und Orte von überragender Bedeutung, an denen in besonderem Maße Kultur erschaffen, gefördert und vorgetragen wird.

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Die HipHop-Kultur in Essen: Eine Einführung

Während der letzten Jahrzehnte ist Rap-Musik zu einem der angesagtesten Musik-Genres in Deutschland geworden. Seit den 1980ern ist Essen bereits die Heimat von bekannten Rappern, wie etwa die 257ers, Favorite, Sinan G, Manuellsen, 3Plusss und PA Sports. Diese MCs sind sogar über die Grenzen von Essen hinaus bekannt und genießen großes Ansehen unter Kennern. Aber dies ist nur die Spitze des HipHop-Eisbergs Essen. In der Szene wird sogar gemunkelt, dass Essen die HipHop-Hochburg des Ruhrgebietes sei.

Im Rahmen des Projekt-Seminars Mapping Hip-Hop Culture: The Ruhr Area befasste sich unsere Gruppe, bestehend aus Fabienne Strohmer, Mariana Bittermann und Julian van Essen, mit der HipHop-Szene in Essen. Da all unsere Gruppenmitglieder Studenten der Angewandten Literatur- und Kulturwissenschaften sind, war das Seminar thematisch von besonderem Interesse und Nutzen für uns alle.

Während unserer Forschungsarbeit haben wir viel Zeit damit verbracht nicht nur Rap-Musik, sondern auch Graffiti, als eine weitere Unterkategorie von HipHop, in Essen zu erforschen. Dabei haben wir zahlreiche Interviews mit Sprayern, MCs und institutionellen Einrichtungen geführt, bei denen wir uns schwerpunktmäßig mit der Rolle von HipHop für die Leute und dem lokalen Wert des Genres in der Großstadt beschäftigt haben.

 

Das Gruppenprojekt: Eine HipHop-Landkarte von Duisburg

Während unseres Seminars Mapping Hip Hop Culture in the Ruhr Area fuhr unsere Gruppe einige Male in die Stadt Duisburg. Diese befindet sich im Westen des Ruhrgebiets und ist als ein bedeutender Industriestandort bekannt. Während unserer Besuche sprachen wir mit Involvierten der Hip Hop Szene, wie beispielsweise Erziehern und Sozialarbeitern als auch mit einem Ladenbesitzer. Duisburg-Hochfeld stach bei der Recherche als Hauptlokation der Szene heraus. Der Stadtteil weist einen hohen Immigranten- und Armutsanteil auf und zeigt Spuren der Deindustrialisierung. Vielleicht gerade wegen begrenzter Mittel fanden wir hier besonders viel Potential junger Menschen.

Der Erzieher und Rapper Tomek gab uns einen Einblick in seine Arbeit, seine Methoden und Prinzipien des Projekts „Multikulti“. Jene bestätigte der Sozialarbeiter Tony, der seit geraumer Zeit mit Jugendlichen in Duisburg-Hochfeld arbeitet. Außerdem sprachen wir mit aktiven Rappern dieser Stadt, die uns ihre Meinung und Perspektive über HipHop in Duisburg mitteilten. Während unserer Besuche, erlebten wir den Rheinpark als einen Ort, der den Leuten Raum bietet, ihre Kreativität frei zu entfalten. Aber auch der Turn Headshop gab uns einen Einblick in die HipHop-Kultur von Duisburg.

Die Erfahrungen, die wir in Hochfeld sammelten, die sozialen Probleme, aber auch die mentale Stärke und Kreativität der Menschen, erinnerte uns stark an die Bronx in New York City. Daher entschieden wir uns dafür, unser Gruppenprojekt in einer HipHop Karte von Duisburg darzustellen, in der wir unsere Ergebnisse sichtbar machen konnten. Inspirationen gab uns das bekannte Buch Born in the Bronx, welches ebenfalls eine HipHop-Karte der Bronx enthält.

Rapmusik in Essen boomt: Ein Interview mit 3Plusss und BudMH

Straßenrap als “Profilierungsmusik”

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Der Rapper 3Plusss. Foto: privat.

“Es ist sehr viel Straßenrap – das ist ja hier so das gängige Ding.” Für den Essener Rapper 3Plusss ist diese Musikrichtung mit die häufigste, die er aus vorbeifahrenden Autos in seiner Heimatstadt hört. Musiker wie Farid Bang, Kollegah oder Massiv sind hier gefragt. Besonders im Essener Norden, Altenessen, dem Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist, werde diese Musik häufig gehört: „Viele Leute hören so eine Musik zum Ego-Pushen.” 3Plusss beschreibt die Rolle von Rapmusik in Essen als „Profilierungsmusik:“ Die Konsumenten fühlen sich “cool” dadurch und können sie träumen, selbst mal Musik zu produzieren.

Hörbar ist diese Art von Rapmusik beispielsweise in dem 2015 erschienen Song “Alemania Westside” (2015) der Essener Rapper PA Sports und Manuellsen. In diesem wird der Alltag in verschiedenen Essener Brennpunkten beschrieben und somit ein grundlegendes Lebensgefühl in der Stadt ausgedrückt. Dabei wird das lokale Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bedeutung der Region immer wieder betont:

Egal wohin wir Reisen

Wir bleiben Zuhause auf der besten Seite

Und zwar auf der Westside, Baby

Reisen in die Ferne, doch tragen unsre Hood in unsren Herzen

Bleiben auf der Westside, Baby

Wir haben alles schon geseh’n, aber nichts davon ist so wie NRW

Auf der Westside, Baby

Die und die und die und die, ein Revier

(“Alemania Westside”)

Für 3Plusss selbst allerdings ging es beim Musikmachen eigentlich immer nur um den Spaß: „Grundsätzlich ist das einfach eine kreative Ausdrucksform der eigenen Persönlichkeit. HipHop ist ein Ventil, so wie Malen.“ Die Jahre 2008 und 2009, in denen er angefangen hat Rapmusik zu produzieren, beschreibt er als toten Punkt für den deutschen HipHop. Für ihn waren die ersten richtigen Pioniere Künstler wie Marteria oder Casper mit den Alben Zurück in die Zukunft (2010) oder XOXO (2011).

3Plusss’ Vorbilder aus Essen sind der Rapper und DJ BudMH und der Musiker Chaosallianz. Allerdings betont er auch, dass Essen eher eine der Pionierstädte für Graffiti war. Bestimmte Künstler konne er leider nicht nennen, weil viele Graffitis illegal gesprüht werden und es daher schwierig ist die Künstler namentlich zu nennen.

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Der Rapper BudMH. Foto: privat.

Hinsichtlich der Rapgenres sind sich die beiden Künstler 3Plusss und BudMH aber einig, denn auch für BudMH ist Streetrap die Richtung, die am häufigsten in Essen gehört wird. Bei dieser Art von Rapmusik benutzen die Emcees häufig Schimpfwörter. Außerdem werden im Streetrap Statussymbole, wie zum Beispiel schnelle und teure Autos, große Häuser und schöne Frauen, sehr häufig thematisiert.

BudMH erklärt die Popularität des Straßenrap-Genres im Ruhrgebiet:

Das ist nicht nur hier in Essen, sondern überall ziemlich auf einem aufsteigenden Ast beziehungsweise erlebt gerade einen ziemlich großen Hype. Da ist es in Essen auf jeden Fall auch so, dass es hier meiner Meinung nach ziemlich viele Straßenrapper gibt.

Außerdem spielt beim Straßenrap auch die soziale Stellung eine große Rolle. Straßenrap wird oft mit dem Essener Norden in Verbindung gebracht, weil dieses Viertel eher als eins der Ärmeren gilt. Hier ist dieses Musikgenre am weitesten verbreitet, weil die Jugendlichen einen geringen Bildungsstand haben und in ihrem privaten Leben genau so sprechen, wie es die Rapper es in ihren Texten tun. Außerdem macht ihnen diese Musik Mut, dass sie auch irgendwann berühmt sein könnten, auch wenn sie jetzt noch unbekannt und etwas ärmer sind, als die durchschnittliche Gesellschaft.

Die Essener HipHop Musik als “Mainstream”

Wofür Essen sonst so steht? Ich sag mal, für ehrlichen Ruhrpott-Rap. Da gibt es auf jeden Fall die ganzen Untergrundleute, die ich jetzt so kenne, die versuchen das ganze HipHop-Ding zu verkörpern und die leben das auch so.

Einer der Hotspots für die HipHop-Kultur in Essen, wo sich viele Untergrundrapper getroffen haben, war früher zum Beispiel die Veranstaltung Essen Original. Für BudMH war die HipHop-Bühne auf dem Fest eine feste Anlaufstelle und der Anfangspunkt seiner künstlerischen Karriere:

Das war das einzige Ding, wo sich so die HipHopper in Essen getroffen haben. Da hat man zwar immer noch nicht miteinander geredet, aber da waren alle auf einem Haufen.

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Essen Original (2015). Foto: privat.

Aufgrund einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen den Besuchern der HipHop-Bühne mussten sich die Künstler in den kommenden Jahren mit den Metal-Musikern eine Bühne teilen. Andere lokale Hotspots gab es seither in Essen nicht wirklich. Trotzdem ist es für BudMH immer noch “seit Jahren, unangefochten die Jugendkultur Nummer eins.” Das bezieht er nicht nur auf die Stadt Essen oder das Ruhrgebiet, sondern auf die Welt. HipHop bietet immer wieder Gesprächsstoff und in der heutigen Zeit erregen Rapper auch immer wieder Aufmerksamkeit durch sogenannte „Disstracks.“ 3Plusss beschreibt dieses Verhalten als „Beefkultur,“ womit er das gegenseitige musikalische Diffamieren zweier Rapper anspricht, das heutzutage gerade bei jungen Menschen Anklang findet.

Fazit

Unsere Interviews zeigen, dass Rapmusik in Essen ist hauptsächlich Straßenrap ist. Bekannte Künstler wie Sinan G, Favorite oder auch KC Rebell dominieren die Essener Musikszene mit ihren hartem Reimen und Beats. Dabei ist der Essener Norden als Zentrum der HipHop-Szene auszumachen. Dies steht im Zusammenhang mit der sozialen Benachteiligung des dortigen Stadtteils und deren jüngere Anwohner identifizieren sich deshalb eher mit dem Genre des Streetrap. HipHop in Essen fungiert somit offenbar vor allem als Identifikationsmittel für einen selbst, das darüber hinaus den Zusammenhalt eines Stadtteils oder gar einer ganzen Region, in diesem Fall des Ruhrgebietes, auszudrücken vermag.

ich habe hip hop nicht verstanden

“Ich habe HipHop nicht verstanden.” Hat 3Plusss HipHop wirklich nicht verstanden? Foto: privat.

Darüber hinaus ist festzustellen, dass Rapmusik in Essen nicht oder eher nicht mehr mit den anderen Bereichen der HipHop-Szene zusammenhängt, wie zum Beispiel Graffiti oder Breakdance. Eine Tendenz, dass Musiker gleichzeitig vermehrt sprayen oder auflegen gibt es nicht. In seinem 2014 erschienen Song „Ich habe HipHop nicht verstanden“ bringt 3Plusss auf ironische Art und Weise zum Ausdruck, dass man, im Gegensatz zur Meinung zahlreicher Rapper, um Hip Hopper zu sein sich nicht zwangsläufig mit der gesamten Szene identifizieren muss:

Ich habe nie gebreakt oder gedeejayt

Und bis auf Wella oder Axe auch nicht gesprayt

Ziemlich fake, ich besaß nie ein Tape

Und hatte besseres zu tun als zu ’nem Freestyle gehn’ Bitch

Ich bin in den 90ern gebor’n

Und war, als Torch gerappt hat, noch feucht hinter den Ohr’n

Ich will die Zeit von damals wirklich nicht bewerten

Doch hieß es nicht, dass das geil sein soll, dann würd ich es nicht merken.

(“Ich habe HipHop nicht verstanden”)

Man merkt hier, dass es 3Plusss bei seiner Musik offenbar nur um den Spaß ging. Er hatte es anfangs nicht darauf abgesehen, dass er berühmt damit wird, da er „besseres zutun hatte“ als bekannt zu werden und sich selbst zu verkaufen. Insgesamt ist für 3Plusss HipHop schon längst keine Randmusikrichtung mehr, auch in Essen nicht:

Hip Hop ist sehr wichtig in Essen, denke ich. Aber ich glaube, HipHop ist allgemein wichtig, das ist gar nicht so auf Essen bezogen. HipHop ist cool. HipHop ist angesagt. HipHop ist längst Mainstream. HipHop muss sich nicht mehr dem Mainstream beugen, sondern der Mainstream vielmehr dem Hip Hop.

Graffiti-Geschichte in Essen: Kreative statt kriminelle Energie

Für unsere Nachforschungen zur Entwicklung der Graffiti-Szene in Essen haben wir mit lokalen Künstlern und Organisatoren gesprochen. Dabei haben wir herausgefunden, dass die Geschichte von Graffiti in Essen die Geschichte von Künstlern ist, die für die Akzeptanz und Institutionalisierung von Graffiti arbeiten.

Der Anfang

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David Hufschmidt (links) mit einem befreundeten Sprayer. Foto: privat.

Für den Grafikdesigner David Hufschmidt, der als Graffitikünstler auch als The Top Notch bekannt ist, ist klar, wo die Essener Graffiti-Szene gestartet hat. „Essen-Steele. Hier kommen die ersten Essener Sprayer her.“ Eine andere Meinung hat der Mülheimer Rapper, DJ und gelegentlicher Sprayer Bud MH. Für ihn liegt der Ursprung nicht nur in Steele, sondern generell entlang der S-Bahn-Strecke. Zum Zeitpunkt unseres Seminars konnten wir allerdings keine der beiden Aussagen näher verifizieren. Dies zeigt aber, dass die Anfänge von Graffiti in Essen umstritten sind.

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Piece am Jugendzentrum: Das erste Essener Graffiti? Foto: privat.

Allerdings konnte uns The Top Notch noch mehr zu den ersten Graffiti-Pieces in Essen-Steele erzählen, die seinen eigenen Werdegang beeinflussten:

Einige der Grafitti aus den 1990ern gibt es teilweise sogar noch, zum Beispiel am Jugendzentrum am Hünninghausener Weg. Da steht sogar noch eine 1992 beim Graffiti an der Wand. Da war ich 13. Damals habe ich auch schon ein Auge dafür gehabt. Ich fand das völlig faszinierend und habe mich gefragt, was für Leute das sind, die eine ganze Wand so anmalen.

Von der Illegalität in die Legalität

The Top Notch fing dank seines Kunstlehrers auch mit Sprayen an. Schnell lernte er darüber Leute auch in anderen Städten des Ruhrgebiets und darüber hinaus kennen. Vor allem aber innerhalb von Essen und konkreter noch in Steele bildete sich für ihn ein Netzwerk aus Sprayern und Freunden. 2010 ergriffen sie dann die Initiative und wendeten sich an das Jugendamt der Stadt, um legale Freiflächen zum Sprayen zu schaffen:

Wir haben der Stadt Essen gesagt, dass wir Freiflächen brauchen, wo wir Bilder malen können, die auch mal länger stehen als eine Woche. Das Jugendamt hielt das für eine gute Idee und hat uns gefragt, welche Flächen wir wollen. Daraufhin sind wir durch ganz Essen gezogen mit ein paar Leuten und haben von attraktiven Flächen Fotos gemacht. Der Besitzer war in der Regel „Straßen NRW.“ Denen gehört fast jede Brücke, die irgendwie an einer Straße liegt. Bis die Genehmigungen von ihnen kamen, hat das dann noch einmal ein halbes Jahr etwa gedauert, aber dann stand das Freiflächenprojekt. Das Projekt wird mit Patenschaften betreut, unter anderem durch die Sprayer selber. Die Verwaltung selber liegt beim Jugendamt Essen, aber die Betreuung liegt bei uns.

Dank der Initiative von The Top Notch und den anderen Künstlern, die an der Realisierung des Freiflächenprojektes gearbeitet haben, gibt es nun mehr legale Angebote für Graffiti in Essen.

Gerd Dubiel

Gerd Dubiel vom Jugendamt Essen. Foto: privat.

Gerd Dubiel arbeitet beim Jugendamt Essen und ist dort für das Projekt verantwortlich. Laut seiner Einschätzung habe es vorher immer nur vereinzelt Graffiti-Projekte mit dem Jugendamt gegeben. Vorbild für das Freiflächen-Projekt sei Bochum gewesen, die als erste Ruhrgebietsstadt Freiflächen im größeren Stil freigegeben hat. Dann folgte Essen:

Theoretisch, konzeptionell steckt eben dahinter, dass wir vom Jugendamt der Meinung sind, dass so eine Großstadt wie Essen die Möglichkeit für junge Sprayer bieten muss, legal sprühen zu können. Und dahinter steckt dann halt auch so eine theoretische Annahme, dass da eher eine kreative statt eine kriminelle Energie hinter steht.

Dementsprechend hilft das Essener Jugendamt die kreative Energie von Jugendlichen zu kanalisieren, Jugendliche, die an Graffiti interessiert sind und sonst vielleicht Vandalismus betgangen hätten. Trotzdem haben illegale Graffitis laut The Top Notch seit 2010 trotzdem nicht nachgelassen.

Es gibt Leute wie uns, die Bock haben, den ganzen Tag an einer Wand zu stehen und sich vorher viel Gedanken dazu machen, was sie überhaupt sprayen. Es gibt aber auch genau die Leute, die genau das nicht wollen. Hauptsache Nervenkitzel.

Die Freifläche in Essen-Werden jedoch ist ein Beispiel dafür, dass nicht alle illegalen Graffitis nur Tags sind. Direkt gegenüber von der Freifläche ist ein aufwändiges, illegales Graffiti, auf dem verschiedene Tier- und Menschköpfe abgebildet sind.

Der Hafen dampft und sprüht: Internationale Graffiti-Kunst beim Hafendampf-Festival

Seit 2013 gehört zu der Essener Graffiti-Szene nun auch das jährlich stattfindende „Hafendampf-Festival.” Künstler innerhalb und außerhalb des Ruhrgebiets werden eingeladen, um ein Wochenende lang größere Wandbilder an verschiedenen Orten Essens zu erschaffen. Die Besucheranzahl stieg stetig in den letzten Jahren stetig an und Künstler aus der ganzen Welt nehmen inzwischen am Festival teil. Mit diesem Festival wird die Essener Graffiti-Szene nicht nur weiter dekriminalisiert, sondern auch zelebriert.

Graffiti heute
Wichtig für die Graffiti-Szene in Essen sind die Freiflächen, welche vom Jugendamt verwaltet und von Graffiti Künstlern betreut werden. Auffallend dabei ist, dass die Flächen zwar über die ganze Stadt verteilt sind, aber sich vor allem im Norden konzentrieren. Der Norden Essens ist tendenziell dichter besiedelt und ärmer, während der Süden reicher und weniger dicht besiedelt ist. Die Verteilung kann also daran liegen, dass sich an eher reicheren Wohnsiedlungen weniger Wände anbieten oder dass sich die Graffiti-Künstler eher im Norden der Stadt aufhalten.

Neben Autobahnbrücken sind die Freiflächen häufig an Jugend- oder Kulturzentren zu finden. Das scheint einen Trend in Essen widerzuspiegeln, Graffiti an Jugendzentren anzubinden. Das Weigle-Haus, welches von The Top Notch sowie dem Rapper BudMH erwähnt worden sind, ist ein Jugendzentrum. Das Jugendzentrum HüWeg, an dessen Wand sich das Graffiti von 1992 befindet, bietet bis heute wöchentlich Graffiti-Workshops an. Dementsprechend scheint Graffiti in Essen ein institutionalisiertes Freizeitangebot für Jugendliche zu sein.

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Graffiti-Kunst auf einer Freifläche in Essen-Kupferdreh. Foto: privat.

Fazit
Graffiti in Essen scheint in zwei Bereiche aufgeteilt zu sein: Künstlerische, aufwendigere Graffitis, und die Graffitis, die vor allem für den Nervenkitzel schnell irgendwo hingesprüht werden. Für die künstlerischen Graffitis gibt es inzwischen viele legale Freiflächen. Die Initiative, diese legalen Wege zu schaffen, ging vor allem von den Künstlern selber aus. Deren Erfolg bestand allerdings auch in der Kooperation mit den offiziellen Stellen der Stadt.

Die Praxis des Taggens hingegen scheint in Essen stark mit der eigenen Identifizierung und Territorialisierung verbunden zu sein. Tagger scheinen zeigen zu wollen, wo sie herkommen. Lokale, patriotische Tags sind in bestimmten Stadtteilen zu finden und propagieren Essen als Graffiti-Metropole Deutschlands.

Interessanterweise scheint es so, dass die anderen Dimensionen der HipHop-Kultur, wie z.B. DJing oder B-Boying, fast keinen Einfluss auf die Entwicklung von Graffiti in Essen gehabt haben. Weitere Bilder von Freiflächen und Graffitis in Essen findet ihr hier.

„Duisburg hat den Bronx-Touch“: Ein Interview mit Tomek

Duisburg ist eine dergrößten Städte des westlichen Ruhrgebiets und dabei auch eine Stadt, die stets zu kämpfen hat. Probleme wie Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität sind an der Tagesordnung. Besonders das Leben der jüngeren Generation ist davon beeinträchtigt. Rapper, Erzieher und Sozialarbeiter, die wir während unserer Projekts trafen, zeigten sich bezüglich der Situation frustriert.

Dabei ermöglicht Hip Hop und besonders Rapmusik jungen Menschen einen Weg, ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen kundzutun. Durch Musik können sie ihre Gefühle, inneren Konflikte, Frustrationen, als auch gesellschafts- und politikbezogene Kritik äußern. HipHop eröffnet ihnen eine Perspektive.

Wie wir bei unserer Recherche erlebten, motiviert die Kultur junge Menschen, kreativ zu werden und etwas auf die Beine zu stellen.

Eine HipHop-Karte von Duisburg

Was Duisburg besonders macht, sind die zahlreichen Facetten, die die Stadt bietet. Im Rahmen unseres Projektes haben wir eine HipHop-Landkarte von Duisburg kreiert. Lerne die lokale Szene kennen, indem du durch unsere U-Bahn-Karte fährst, durch die du dir über die vielen Linien einen Überblick verschaffen kannst.

Grüne Linie = Rapper

Gelbe Linie = Soziale Arbeit

Blaue Linie = Clubs

Lila Linie = Headshop

Rote Linie = Graffiti

Hier gelangst du zu unserer HipHop-Landkarte von Duisburg.

Wir wünschen Dir eine gute Fahrt!

Witten, HipHop und der Bunker: Die Geburtsstätte der lokalen HipHop-Szene

Witten, welches einst die kleinste Kleinstadt Deutschlands war, ist das zu Hause einer lebendigen HipHop Community, sie sich in den 1990er Jahren gegründet hatte und ihren Höhepunkt in den 2000er Jahren hatte.

Einer der Pioniere war Dike Uchegbu (alias DIKE). Dike startete 1993 seine Karriere und formierte die Band Reimwärts zusammen mit dem Rapper Daniel Marre (Terence Chill) und Paul Damera (Big P). Dike mietete sich einen Proberaum im alten Bunker in Witten-Annen und die Bunkerwelt war geboren. Der Bunker wurde zum Ort für ausgiebige HipHop Parties und Jam Sessions. Die Jam Sessions waren ein ganz besonderes Treffen für allerlei Rapper, Musiker und Künstler aus der sich formierenden HipHop-Szene, die bei den Jams ihre Skills unter Beweis stellen konnten. Obwohl der Bunker heute nicht mehr in Benutzung ist, ist es nach wie vor einer der wichtigsten Orte an dem die Geschichte des Raps in Witten begann.

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Bunkerwelt Witten. Foto: privat.

Unter all den Mitwirkenden der Szene waren die Crews Bruderschaft und das Duo Creutzfeldt & Jakob (C&J) bestehend aus Flipstar und Lakmann. Die Beats wurden zwar einfach auf einer Kassette gelooped, aber die Performances waren so populär, dass Dike, C&J und Bruderschaft viele Auftritte außerhalb von Witten und dem Ruhrgebiet hatten.

Im Interview mit HipHop.de erklärt Lakmann (C&J) seine ersten Schritte in der Wittener HipHop-Szene:

 

Mein Style war inspiriert von […] wenigen deutschen Rappern. Es waren mehr amerikanische Einflüsse, die wir hatten. Aber auch vor allem hatten wir keine deutschen Einflüsse, bis auf die RAG, Dike D., Reimwärts Jungs und die uns gezeigt haben wie man richtig rappt.-… wir wussten das ja auch nicht. Wir haben ja auch viele Style[s] und Techniken selber erlernt und heutzutage denke ich, da du so viele Leute auf YouTube sehen kannst, die schon tight rappen, kannst du dir auf jeden Fall eine Scheibe abschlagen. Oder du siehst von Anfang an, es ist einfacher und es gibt bestimmte Techniken – [einen] bestimmten Know–How, sag ich mal, den die Leute beherrschen. Viele Leute kommen zu dir und sagen Double Rhyme, Doppel Time, Triple Time und können alles, aber sind vielleicht unerfahrener, wenn es heißt one–take – straight vor der Kamera jetzt mal so einzurappen. […] Die Verfügbarkeit an Stilen und Techniken heute ist viel einfacher für Leute, die gerne neu ins Game kommen.

Lakman gibt in dem Interview einen vielseitigen Einblick in die Anfänge von den Jungs um Witten Untouchable, der HipHop-Szene und seine Ansichten über die HipHop-Kultur.So erzählt er, dass sie von ihrem ersten verdienten Geld sie die Möglichkeit hatten, endlich professionelle Musikausstattungen zu kaufen. Ebenso waren die gegenseitige Inspiration und der Support ausschlaggebend für den nachfolgenden Erfolg der Jungs. Jeder der Musiker featurte den Anderen in ihren Platten.

Im Lied “Bunkerwelt in Witten” (2000) rappen Creutzfeldt & Jakob über die Bunkerwelt und präsentieren jeden Künstler, der in der Arbeit der Bunkerwelt involviert ist.

Der Track “Spinne” stammt von der Zusammenarbeit mit Rappen wie Savas (Berlin), Curse (Minden/Köln) und Azad (Frankfurt/Main):

Diese überregionalen Kollaborationen stärkten die Position der Wittener Jungs innerhalb der deutschen Rapmusikzene: Witten wird die representative Nischenstadt für Untergrund-HipHop-Musik.

In den 1990er Jahren veranstaltete die Bunkerwelt zahlreiche Parties, Jam Sessions und Aufnahmesessions bis die Vermieter der Bunkerwelt genug von den ausgelassenen HipHop-Aktivitäten hatten. Im Jahr 2000 stiegen die Mietpreise so hoch, dass sich die Crew der Bunkerwelt kaum noch über Wasser halten konnte und gezwungen war, den Bunker aufzugeben.

Creutzfeldt & Jakob bauten daraufhin eine Garage zusammen mit dem Neuzuwachs Till Grönemeyer, dem Neffen von Herbert Grönemeyer, einem bedeutenden deutschen Singer-Songwriter, in ein Aufnahmestudio um. In diesem Studio hatten C&J eine sehr produktive Zeit. Nach einer Deutschland-Tour und einigen erfolgreichen Kollaborationen mit anderen Rapkünstlern haben C&J sich dem Untergrundlabel Put Da Needle To Da Record verschrieben. Mit der Firma haben sie ihr Debütalbum Gottes Wort und Creutzfeldts Beitrag (2000) herausgebracht, von dem mehr als 45.000 Exemplare verkauft worden sind.

Das musikalische Alleinstellungsmerkmal der Gruppe sind durchdringende und schwere Beats. Flipstars (aka. Philip Dammann) Rapstil ist sehr fließend, lässig und cool, Stylewalker (aka. Laki Polichronidis/Lakmann) hat im Gegensatz dazu einen einzigartigen Staccato-Stil, so dass beide in ihren Produktionen gut voneinander zu unterscheiden sind. 2001 hatten C&J musikalische Differenzen mit ihrem Musiklabel, so dass sie sich trennten. 2003 brachten sie ihr zweites Studioalbum heraus: Zwei Mann gegen den Rest.

Leider versprach das Album keinen großen Erfolg und das Duo um Flipstar und Stylewalker verfolgten neue Projekte: Flipstar studierte Medizin und arbeitet heute als Chirurg im Ruhrgebiet. Stylewalker gründetet mit Till Grönemeyer eine Booking-Agentur. C&J haben sich zwar nie offiziell getrennt, aber inzwischen hat Laki eine neue Crew mit Mees, Kareem und Rooq namens Witten Untouchable gegründet. Mit dieser Gruppe lässt Lakmann den Geist der Bunkerwelt von Witten wieder aufleben.

Neue Rapmusik aus Witten: Ein Portrait von Witten Untouchable

Zusammen mit seinen Peers Kareem und Mess gründete das Wittener Rap-Urgesteien Lakmann (Creutzfeld&Jakob) im Jahr 2013 eine neue musikalische Formatierung names Witten Untouchable. Die Mitglieder kommen allesamt aus Witten.

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Die Stadt spielt eine große Rolle in ihren Texten. Das Cover ihres ersten Studioalbums It was Witten (2013) zeigt ein verlassenes Wohnhaus und das Stadtwappen am oberen rechten Rand. Das Album nahmen sie mit Produzent Rooq auf. Rooq beschreibt in einem Interview mit einer Lokalzeitung den Musikstil als düster. Das Albumcover unterstützt diesen Eindruck:

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Albumcover: It was Witten (2013). Photo Credit: Facebook/wittenuntouchable.

Sie verarbeiten den Bezug zu ihrer Geburtsstätte auch in ihren Musikvideos. In dem Video zum Lied “Falsche Welt” vermitteln einen Eindruck von ihrer Stadt, von den Vierteln, in denen sie abhängen. In dem Beispiel fahren sie in ihren Videos mit ihrem Auto durch die Straßen der Stadt.

Im Interview mit der Journalistin Visa Vie erklärt Lakmann die Bedeutung für das Ruhrgebiet innerhalb der HipHop-Kultur:

[Die Zusammenarbeit mit Sido war] der größte Faktor der zu einer Blase geführt hat. Und ich denke, da wir oder ich, Untouchable oder Creutzfeld oder Lakmann immer kontinuierlich auf Jams im Ruhrpott oder in der ganzen Republik unterwegs sind… dass wir da so’ne ganz kleine Untergrund Basis erarbeitet haben. Die halt so’n kleines Flämmchen am lodern oder am kochen lässt. Dass man nicht immer medial ganz draußen ist, aber dass man schon am wenigsten von der Aufmerksamkeit kriegt. Aber, wenn man die Kräfte bündelt und, ich will nicht sagen, dass es der richtige Zeitpunkt war, aber wenn man dann so unerwartet aus dem nichts, mit ‘nem gewachsenen Ding […], bringt man egal wie lange man als Rapper im Game ist, ma’ ‘ne neue Seite ins Game.

Das Interview verdeutlicht, dass die Wittener HipHop-Szene eine beachtliche Fanbase in der Untergrundszene des Ruhrpotts und auch in Deutschland hat. Lakmann, Witten Untouchable und die Bunkerwelt sind Knotenpunkte in der Geschichte der Wittener HipHop-Kultur Orte, deren Höhepunkt sich Anfang der 2000er verorten lässt. In dieser Zeit haben die Rapper aus Witten mit bedeutenden Größen der deutschen Rapmusik-Szene, wie Kool Savas, Till Grönemeyer und Sido, zusammengearbeitet.

Die Gruppe thematisiert in ihren Texten den Auf- und Abstieg der deutschen HipHop-Szene und deren zunehmende Kommerzialisierung. In “Falsche Welt,” eine ihrer ersten Single Auskoppelungen, rappen sie über die korrupte und selbstsüchtige Welt. Schon in den ersten Zeilen des Liedes kritisiert Lakmann den Pandamaskenträger und selbsternannten King of Raop Cro:

Ich halt’ kurz and und denk nach, hat sich was verändert? Freier Fall ohne Fallschirm und fast am Ende. In der Tat meine Welt spiegelt fast das Selbe. Ich fall auf ohne Masken und Helme. Ist das der Fortschritt? Clowns anstatt Wortwitz? Und seit wann ist ein Pandabär Mordsshit? Wisst ihr wirklich was hier Vorsicht bedeutet? Wenn du recordest und doch nur Zeit vergeudest? Welche Szene ist down und supportet?

“Falsche Welt”

In diesen Zeilen treten Lakmanns Battle Rap-Fähigkeiten hervor. Prägnant für seine Sprechart ist zum einen der Inhalt und seine vorwärtsgetriebene Raptechnik. Battle lines, Flow und seine selbst geschriebenen Texte sind einprägsame Elemente für seine Musik. Seine Message liegt in den Lyrics selber und Zuhörer müssen genau zuhören, um die Musik und die Reime zu verstehen.

Der Rapstil von Witten Untouchable ist sehr clean und präzise; sie  wollen sich selbst und dem HipHop treu bleiben. Ihre Musik zeigt deutliche Referenzen zu den Anfängen des Deutschrap in den 1990er Jahren auf. Man findet keine Elemente des typisch aufgesetzten prolligen Raptextes á la Ich-bin-der-beste-Rapper-der-Welt-mit-Doppel-Reimen. Kareem erklärt den Style der Crew:

Die stetige Weiterentwicklung, die man einfach von Jam zu Jam erlebt, nicht nur halt in dem Aspekt, sondern, dass du einfach in dem Moment wo du auf der Bühne rappst – besser wirst mit jedem Auftritt. Sondern du wirst ja auch, wenn du nach Hause gehst, und diese ganzen Eindrücke, die du – so als Team ist es ja auch. Jeder in seinem eigenen Leben hat ja seinen eigenen Struggle […]. Aber, wenn du dann in dieser Gruppe zusammen bist, ist es wie ein Eintauchen in eine zweite Familie. Wo man dann total untereinander – alles von jedem weiß. Und diesen Rapper Aspekt total ausleben kann. Für diese kurze Zeit sich total in diesem Modus fühlen. Und, wenn du dann nach Hause gehst, dann nimmst du ganz viel Inspiration mit! Immer, wenn ich mit Mess und Laki im Studio war, […] wenn wir zusammen aufnehmen, ist es ein Hochtreiben gegenseitig. Sehr gesunde Competiton. Die uns alle zu Höchstleistung bringt. Und das ist wirklich – eine Weiterentwicklung von allen Beteiligten […] wenn man so was Gutes macht.

(16 BARS)

In den besonders erfolgreichen Jahren 2013 und 2014 haben Witten Untouchable an diversen Festivals teilgenommen, wie zum Beispiel am Splash! Festival. Heutzutage treten sie auf anderen kleineren Rap-Festivals auf, wie Anfang des Jahres 2015 in Duisburg. Ihrer Musik wollen sie nach wie vor treu bleiben. Dies ist ein Grund weswegen die Jungs von anderen Musikern und Fans gefeiert werden. So hat Lakmann im Video “30-11-80” des Berliner Rappers Sido mitgewirkt, bei dem insgesamt 18 deutsche Rapper beteiligt waren. Hört rein und genießt es!

Gute Nachrichten für alle Fans und Bewunderer der Wittener Jungs: es war lange genug still um sie, aber Rooq hat auf seinem Twitter Account am 19. Juni 2016 verkündet, dass ein zweites Studioalbum in den Startlöchern steht:

“Untouchable II wird fuckin düster!”

Man kann gespannt sein und wir warten das Release Datum ab!

Mehr Infos über die Crew erfahrt ihr in diesem Video:

HipHop Institutionalisiert: Das Haus der Jugend in Witten

Das Haus der Jugend ist eine Kinder- und Jugendeinrichtung, die verschiedene Workshops und Projekte für Kinder und Jugendliche anbietet. Da Witten neben Bochum, Dortmund und Essen auch zu den Ballungsgebieten in NRW gehört, in dem eine Vielfalt an verschiedenen Kulturen und Ethnizitäten miteinander leben, beschäftigen sich die Projekte, Initiativen und Texte mit mit sozial kritischen Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Toleranz, Gleichheit oder Sexismus .

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Das Haus der Jugend in der Nordstrasse 15 in Witten. Foto: privat.

Sozialarbeiter Kostas Andrikopoulos, der seit 1994 dort arbeitet, erzählt uns, dass die Workshops teilweise sehr beliebt bei den Jugendlichen sind. Dies zeigt sich unter anderem auch daran, dass sogar der Rapper Al Kareem, Mitglied der Witten Untouchable Crew, Workshops unterrichtet.

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Ein Film über das Haus der Jugend.

Die soziale Einrichtung wurde in den 1970er Jahren gegründet. Als in den 1990er Jahren der Deutschrap seinen kommerziellen Höhepunkt hatte, hat Witten einen echten Hype im Bezug auf Hip Hop und Rap Musik erlebt. Kostas erklärt uns, dass in dieser Zeit ca. 95% der Kinder und Jugendlichen die das Zentrum besuchten, aus Einwandererfamilien kamen. In diesem Zuge sind auch Crews wie Sons of Gastarbeita (1994) oder Creutzfeld & Jacob (1998) entstanden, die sich in ihren Songs gegen Rassismus und für Gleichheit aussprachen.

Im Jahr 2006 hat sich das Konzept des Jugendzentrums leicht geändert. Seit einigen Jahren nimmt die Jugendeinrichtung bei dem Projekt KulturRucksack teil, welches vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert wird. Jedes Jahr stellt das Kulturministerium rund 3 Millionen Euro zusätzlich für diverse kulturbezogene Projekte zur Verfügung. Das Ziel ist es, möglichst vielen Kindern und Jugendlichen kostenreduziert kulturelle Angebote zu eröffnen. Das Kultur Rucksack – Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms “TOLERANZ FÖRDERN – KOMPETENZ STÄRKEN” gefördert, welches vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt wird. Es gibt drei Kernaspekte des Programms, die sich der Demokratieentwicklung, dem Kampf gegen Rassismus und der Gründung von Mentorenprojekten widmen. Bis 2014 hat die Bundesregierung 24 Millionen Euro deutschlandweit für solche Programme zur Verfügung gestellt. Neben der Stadt Witten finden sich zum Beispiel auch folgende Träger die sich an lokalen Projekten beteiligen: Landesarbeitsgemeinschaft Kulturpädagogische Dienste/ Jugendkunstschulen NRW e.V , die Jugendclubs Famous und Werk-Stadt sowie das Klangwelt-Studio.

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Rap Connection 2: Diese CD wurde 2013 im Rhamen des Programms “Toleranz fördern – Kompetenzen stärken” veröffentlicht.

Trotz dieser Programme und Initiativen ist laut Kostas jedoch das Interesse an Rapmusik-Workshops in den letzten Jahren gesunken. Trotz allem findet man im Netz immer noch aktive Rapper die sich mit sozial-politischen und kritischen Themen auseinandersetzen. Vor allem die Formation Sons of Gastarbeita haben viele Projekte und Workshops initiiert, die man auch bei YouTube anschauen kann:

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Sons of Gastarbeita “The Next Level – Equality” (2016)

Wie das Lied “The Next Level – Equality” zeigt, werden die erwähnten Programme und Projekte stark gefördert, um den Jugendlichen eine gewaltfreie Möglichkeit zu schaffen, ihren Frust Ausdruck zu verleihen. Vielleicht sind die Texte bzw. die Ausdrucksweise zensiert, dennoch scheint HipHop hier seinen Weg in die Politik gefunden zu haben. Dadurch hat Hip Hop bzw. Rapmusik einen Imagewechsel durchwandert und scheint ein akzeptiertes Medium für Jugendliche zu sein, um sich gehör über die Probleme in der Wittener, und somit auch der deutschen Gesellschaft, zu verschaffen.

Haltern am See: Alles ist erlaubt solange es mit Herzblut gemacht wird

Haltern am See liegt im Norden des Ruhrgebiets und zählt mit ca. 40.000 Einwohnern zu den eher kleineren Städten. In unserer Gruppe hatten wir das Ziel, die Stadt Haltern am See etwas genauer zu untersuchen. Nach der Frage der Bedeutung von HipHop in der Stadt, haben wir dem Rapper MC Smog über die örtliche Szene interviewt. MC Smog hat auf unsere Anfrage geantwortet und sich als Einziger den Fragen gestellt. Zum einen haben wir ihm Fragen zu seiner Musik, seiner Message und seinem Werdegang, aber auch zur HipHop-Szene und -Treffpunkten in Haltern gestellt.

MC Smog 2MC Smog. (Foto: Facebook)

MC Smog hat 2008 durch Zufall mit Rapmusik angefangen. Den ersten Track schrieb er auf einer Party mit Kumpels. Diesen nahm er direkt auf, lud ihn ins Internet hoch und verschickte ihn an Freunde. Nachdem er viele positive Resonanzen erhalten hatte, war er angefixt. Jedoch hat er selbst kaum Deutschrap gehört, sondern er orientierte sich eher an diversen Rock Genres.

Die ersten Songs wurden in Haltern am See im Proberaum einer befreundeten Band aufgenommen, doch nach kurzer Zeit schaffte er sich dann ein eigenes Mikro und die passende Software (Cubase und Magix) an, um bequem von zu Hause aufzunehmen, so MC Smog.

Die Auftritte von MC Smog fanden alle in Haltern am See statt. MC Smog trat live immer mit einer Band, den Primären Geschlechtsorganen, auf. Somit wird der Auftritt von einem Schlagzeug, E-Gitarren und Bassgitarren begleitet und verleiht dem Auftritt einen rock-musikalischen Charakter. Das Publikum bestand aus Freunden und der Rock-Szene in Haltern am See. Unter anderem trat er im Jugendtreff Trigon, auf der Rockbürobühne des jährlichen Heimatfestes, in der Grünen Hölle und auf diversen Privatpartys auf. Diese Orte sind in Haltern bekannt für Auftritte vom Rockbüro Haltern. Das Rockbüro Haltern ist fast immer der Veranstalter und Ansprechpartner für Konzerte und Auftritte in Haltern am See.

10440699_731616503568820_1481560873056842473_nMC Smog & Die Primären Geschlechtsorgane. Foto: Facebook.

Auf die Frage was seine Message ist und was Rap für ihn bedeutet, antwortete MC Smog: “Die Möglichkeiten der deutschen Sprache sind unbegrenzt. Rapmusik ist der moderne, legitime Nachfolger der deutschen Poesie. Alles ist erlaubt solange es mit Herzblut gemacht ist. Die Grenzen des Raps sind nicht recht definiert. Rap ist ohne Rapper nur ein leeres Blatt Papier.”

Eine Szene in Haltern am See anzutreffen ist jedoch schwierig. MC Smog ist in Haltern am See der ihm “einzige bekannte Rapper auf einem gewissen Niveau.” Somit ist es auch schwierig Treffpunkte und weitere Konzertorte, als die oben genannten, zu lokalisieren. Weitere Konzertorte als die oben genannten sind in der Stadt auch nicht vorhanden. MC Smog war bis jetzt der einzige Rapper in Haltern, der mit dieser Art von Musik aufgetreten ist. Da eine Rap-Szene in der Stadt nicht vorhanden ist, hat er nur die Rock-Szene in Haltern mit seiner Musik infiziert. Durch MC Smog wäre es vielleicht in der Zukunft möglich, dass sich Rap in Haltern am See etabliert und sich eine Szene bildet. Wie sich nun Hip-Hop zum jetzigen Zeitpunkt in Haltern am See zu anderen Städten unterscheidet ist durch ihre Nichtexistenz zu beantworten.