Rap aus Bochum: Eine Playlist

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Zu Ihrem Hörvergnügen hat die Bochumer Projektgruppe mit der hilfreichen Unterstützung von Rajmund und Rheza eine Playlist zusammengestellt, die einen ersten Überblick über Rapmusik aus Bochum ermöglichen soll. Selbstverständlich ist die Liste unter keinen Umständen vollständig; wenn Sie das Gefühl haben, dass etwas Wichtiges fehlt, dann sagen Sie uns doch bitte in dem Kommentaren Bescheid. Wir freuen uns über jede Anregung und Kritik.

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Come Together: Räume & Orte in Bochum

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Als in den früher 1980er Jahren auch im Ruhrgebiet erstmals eine junge HipHop-Kultur in Erscheinung tritt, entsteht gleichzeitig ein Bedarf an Orten und Räumen, an denen die neue Gemeinschaft sich treffen, austauschen und gemeinsam aktiv werden kann. Die meisten lokalen Akteure erklärten in Interviews mit der Bochumer Projektgruppe, dass HipHop-Kultur ihren Anfang fast immer in überschaubaren geschlossenen Kreisen wie den eigenen Wohnungen, Proberäumen oder privaten Studios ihrer Anhänger findet: Hier entwickeln Rapper entweder gemeinsam oder allein ihre Reime und schreiben Texte, hier produzieren Musiker und Graffiti-Writer ihre jeweiligen Skizzen, aus denen später Songs oder Bilder entstehen können. Doch wie in jeder anderen Kultur auch existieren auch im HipHop gewisse Räume und Orte von überragender Bedeutung, an denen in besonderem Maße Kultur erschaffen, gefördert und vorgetragen wird.

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Diversität feiern: DiverCity

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HipHop-Kultur wird oft als aus vier Elementen bestehend beschrieben und wahrgenommen: MCing [Rapping], DJing, Breakdancing und Graffiti. Jedes Element steht für sich selbst und die meisten Akteure legen ihren Fokus auf eine der Disziplinen: Das gesprochene Wort, die Musik, der Tanz oder das geschriebene Wort. Die Maxime ist jedoch bei jedem Element dieselbe: Style und Skill. Angehende MCs, DJs, Writer und Breaker entwickeln im Laufe der Zeit ihre eigene individuelle Art zu Rappen, Musik zu machen, zu tanzen oder malen. „Realness“ und Authentizität sind die Schlüsselworte. „Biting“ und „Faking“ – das Imitieren anderer Stile anstatt eigene zu entwickeln – werden generell als schwach angesehen und sind verpönt. In diesem Kontext präsentiert sich HipHop als eine Kultur, die aktiv Vielfalt unterstützt und Individualität belohnt, wenn sie mit entsprechenden Skills untermauert ist. Die Akteure werden ermutigt, so gut wie nur möglich „ihr eigenes Ding zu machen“, sich selbst zu präsentieren und Anerkennung zu erhalten, während gleichzeitig auch die Werke und Leistumgen anderer respektvoll anerkannt werden.

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Rap Up: Hangout mit Meller

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Wer sich mit Bochumer HipHop-Kultur im Allgemeinen und Rapmusik im Speziellen beschäftigt, wird früher oder später zwangsläufig auf einen Namen stoßen – Meller. Der Bochumer Rapper, der mit bürgerlichem Namen Manuel Meller heißt, begann Mitte der 1990er mit Graffiti und fokussierte sich etwas später auf Rap. Seitdem veröffentlich Meller in regelmäßiger Unregelmäßigkeit seine Musik: Sein Album To The Bone wurde im Dezember 2009 vom Magazin Juice zum Indie-Album des Monats gekührt, weitere Kollaborationen mit anderen Rappern folgten und seine kürzlich erschienene Vinyl-LP Meller On Wax Vol. 1 ist bereits restlos vergriffen. Doch auch ohne Mikrofon in der Hand ist Meller umtriebig: Er begründete mit dem Schuster’s Corner und der Superior Session zwei wichtige Szenetreffpunkte in der Stadt und organisiert heute Workshops für Kinder und Jugendliche, um sie mit HipHop in Berührung zu bringen. Als langjähriger Akteur der Szene ist er meistens involviert, wenn es um HipHop in Bochum geht. Im Rahmen der Superior Session hatte die Bochumer Projektgruppe die Möglichkeit, mit Meller die Ergebnisse des Forschungsprojekts zu reflektieren und den Status Quo von HipHop-Kultur und Rapmusik in Bochum zu besprechen.

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Style & Skill I: Graffiti in Bochum

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Graffiti ist in seinem Wesen nichts Neues, vielmehr etwas Uraltes: Die grundlegende Praxis des Schreibens und Malens an Wänden, Felsen, Bäumen oder anderen Objekten lässt sich bereits bei den frühen Menschen finden. In seinem modernen Verständnis jedoch wird Graffiti für gewöhnlich als Element der HipHop-Kultur verstanden und folgt der gleichen Maxime: Es dreht sich alles um Style und Skill. Es gibt einige ungeschriebene Regeln innerhalb der Gemeinschaft, wie beispielsweise ein farbiges Bild nicht mit Chrom zu übermalen oder immer zu versuchen, ein besseres Bild als das vorherige zu erschaffen. In den Augen der meisten Menschen ist Graffiti – zumindest in seiner illegalen Erscheinungsform – mit Vandalismus gleichgestellt, daher halten sich Graffiti-Writer für gewöhnlich bedeckt, wenn es um ihre Aktionen geht. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Graffiti seine Untergrund-Attitüde bewahrt, auch aufgrund drohender Strafverfolgung. Die Gruppe der Eingeweihten bleibt überschaubar.

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The Sound of Bochum: Rap mit Rheza

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Wie die meisten anderen (Sub-)Kulturen auch produziert HipHop seine eigenen kulturellen Artefakte. Die bekanntesten dieser Artefakte sind die Songs und Alben, die von Rappern gemeinsam mit DJs, Beatmachern und Musikproduzenten geschaffen werden. Im Laufe der Jahre hat die Bochumer HipHop-Szene einige bemerkenswerte Veröffentlichungen hervorgebracht, die gemeinsam mit anderen Künstlern wie Creutzfeld & Jakob, Too Strong, OnAnOn, Dike und weiteren das Ruhrgebiet auf die deutsche Hip-Hop-Karte brachten. Besonders zu nennen ist hier RAG [Ruhrpott AG], eine Crew, die aus den Bochumer Aphroe, Pahel und Galla sowie dem DJ Mr. Wiz bestand. Eines der herausragendsten Hip-Hop-Alben aus Bochum ist zweifellos Unter Tage von RAG. Noch heute wird das Album, das bereits 1998 veröffentlicht wurde, von Kritikern und Fans als Meilenstein für deutschen Rap gewürdigt und für seine ausgiebigen und komplexen Wortspiele, den unverwechselbaren Sound und authentischen Charakter geschätzt.

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Style & Skill II: Interview mit Bochums Graffiti-Crew iOR

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Nicht alle Writer nehmen die stress-freien legalen Wände an, die die Stadt bereitstellt. Ihrer Meinung nach braucht Graffiti keinen ausgewiesenen Platz: Als Kultur, die auf der Straße entstanden ist, gehört sie genau dort hin und die ganze Stadt ist eine Leinwand. In Bochum gibt es einige Crews, die nachts die Straßen, Dächer und Züge der Stadt anmalen. Eine der bekanntesten Crews ist iOR. Die Bochumer Projektgruppe hatte die Gelegenheit, ein Gespräch mit einem ihrer Mitglieder zu führen. Er ist seit 17 Jahren aktiv und wird aus offensichtlichen Gründen anonym bleiben.

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